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Jeder zweite Migrant ist für seinen Job überqualifiziert

Salzburg, 31. Oktober 2013,AK-Veranstaltung zeigt: Bei Migration wird unglaubliches Potenzial verschenkt .Jeder zweite Migrant ist für seinen Job überqualifiziert. Jedes Jahr sind die Migranten, die nach Österreich kommen, besser gebildet. Seit 1998 hatten acht von zehn Menschen, die in Salzburg ihr Glück suchen, zu Hause eine mittlere oder höhere Ausbildung absolviert. Allein: Sie ist hier nichts wert. 50 Prozent der Migranten arbeiten unter ihrem Bildungsniveau. Das ist einer der schlechtesten Werte in der ganzen OECD. Diese Diskriminierung kostet Milliarden an Euros. Die AK thematisierte das verschenkte Potenzial bei einer Veranstaltung in der FH Salzburg. „Das ist nicht nur eine Vergeudung von Chancen, es ist grundungerecht“, kritisiert AK-Präsident Pichler und fordert Verbesserungen.Rund 44.000 Menschen mit Migrationshintergrund arbeiten in Salzburg. Die Zahl der Arbeitnehmer ausländischer Herkunft liegt in Salzburg mit rund zehn Prozent höher als im Österreich-Schnitt – hier sind es etwa sieben Prozent. Und entgegen mancher Annahme sind jene, die kommen, immer gebildeter: Mittlerweile liegen mittlere und höhere Abschlüsse bei Migrantinnen und Migranten deutlich vor einem Pflichtschulabschluss oder überhaupt keiner Ausbildung. Seit 1998 zum Beispiel kamen rund 20.000 Menschen – über 8.000 davon haben Matura oder Hochschulabschlüsse, weitere 8.100 eine mittlere Schule absolviert, was einer Facharbeiterausbildung entspricht. Das war bei früheren Jahrgängen, die vor allem einfache und anzulernende Tätigkeiten am Arbeitsmarkt übernahmen, anders.

DAS PROBLEM IST NICHT BILDUNG, SONDERN IHRE ANERKENNUNG

Dementsprechend sind auch die Probleme von Migrantinnen und Migranten in Salzburg heute ganz andere: „Sie können Ihre Bildung am Arbeitsmarkt nicht umsetzen“, sagt AK-Präsident Siegfried Pichler. Diese Gruppe ist bei gleicher Bildung häufiger arbeitslos und schlechter entlohnt als österreichische Arbeitnehmer. Auch sehr gute ausländische Abschlüsse sind in Österreich oft fast nichts wert. Kein Wunder, dass der Anteil an Migrantinnen und Migranten, die eine Tätigkeit unter ihrem Ausbildungsniveau ausüben einer der höchsten in der ganzen OECD ist – Österreich liegt gemeinsam mit Griechenland, Italien, Spanien und Zypern auf den letzten Plätzen.

Das Bruttomedianeinkommen von Beschäftigten mit ausländischer Staatsbürgerschaft liegt außerdem rund 20 Prozent unter jenem von Personen mit österreichischer Staatsbürgerschaft. „Das ist nicht nur unfair. Migrantinnen und Migranten werden auch oft als Lohndrücker eingesetzt“, sagt Siegfried Pichler. „Lohn- und Sozialdumping geht uns in diesem Sinne alle etwas an, weil es allen Arbeitnehmern schadet!“

50 PROZENT DER MIGRANTEN ARBEITEN UNTER IHREM BILDUNGSNIVEAU

Wer eine mittlere oder höhere Bildung aus dem Ausland mitbringt ist mit mehr als 50-prozentiger Wahrscheinlichkeit in einer Hilfs- oder angelernten Tätigkeit beschäftigt. Das betrifft Frauen noch mehr als Männer. Von der Bezahlung her ist ein ausländischer Uni-Abschluss in Österreich ungefähr gleich viel wert wie eine Lehre. „Ohne Migration würde das gesellschaftliche Leben in Österreich nicht mehr funktionieren. Aber die wertvolle Arbeit dieser Menschen wird nicht ihrer Ausbildung entsprechend wertgeschätzt“, kritisiert Siegfried Pichler. „Das ist nicht nur eine Vergeudung von sozialen und volkswirtschaftlichen Chancen. Es ist eine grundungerechte Sache!“

ENORMER SOZIALER UND VOLKSWIRTSCHAFTLICHER SCHADEN

Laut den Berechnungen von August Gächter vom Zentrum für Soziale Innovation (ZSI) – er war einer von zwei Referenten der Veranstaltung – könnte  die angemessene Beschäftigung dieser Menschen allein den österreichischen Kommunen rund 1,3 Milliarden zusätzliche Einnahmen und geringere Ausgaben bringen. Bund und Länder kämen auf zusätzliche 7,5 Milliarden. „Hier geht es um Fairness. Wir treten für Gerechtigkeit ein. Bei diesen Berechnungen muss man sich fast an den Kopf fassen, dass nicht mehr für Migrantinnen und Migranten mit höherer Bildung getan wird“, so Siegfried Pichler.

DISKRIMINIERUNG UND KOMPLIZIERTE VERFAHREN

Teils wird sogar die Grenze zur Diskriminierung überschritten: Eine Reinigungskraft mit Krankenpflege-Ausbildung fragte in ihrer Arbeitsstelle, was sie für eine Anerkennung tun muss. Sie bekam als Antwort, dass sie das eh nicht schaffe. In einem anderen Betrieb kam man überhaupt erst darauf, dass eine Reinigungskraft Krankenpflegerin ist, als sie ihren Chef notdürftig verarztete, der sich an einer Glasplatte lebensgefährlich geschnitten hatte.

Norbert Bichl vom Beratungszentrum für Migrantinnen und Migranten in Wien thematisierte das Verlangen des Arbeitsmarktes in Österreich nach Anerkennungen ausländischer Abschlüsse und fehlende Abstimmungen sowie Lücken im System. Zwar tue sich in dem Bereich seit ein paar Jahren einiges, es seien aber noch viele Hürden abzubauen und auf verschiedene Lebenswelten angepasste Unterstützungsprogramme nötig. Vor allem die Bestätigung beruflicher Erfahrungen, eine Harmonisierung mit EU-Anerkennungsrichtlinien und wirksame Regeln gegen Diskriminierung stünden noch aus.

AK FORDERT HARMONISIERUNG, VEREINFACHUNG UND EIN GESAMTKONZEPT

Siegfried Pichler: „Es braucht endlich einfache und schnelle Verfahren zur Anerkennung formaler und informeller Bildung von Migranten. Aber auch die Unterstützung muss passen. Bildungsprofile könnten zum Beispiel verhindern, dass jemand weit unter Qualifikation beschäftigt wird.“ AK-Vorständin Djuja Becirevic betonte nach den Referaten bei der Podiumsdiskussion, dass Diskriminierung bekämpft und mehr Bewusstsein geschaffen werden müsse, sonst werde es Migrantinnen und Migranten auch in Zukunft nicht gelingen, ihre Bildung in Österreich zu verwerten. „Letztendlich braucht Österreich eine umfassende Integrationsstrategie. Das gibt es bis heute nicht“, so Becirevic. Die AK Salzburg hat vor diesem Hintergrund einen breiten Strategieprozess in Gang gesetzt und baut Service und Infos für Migranten aus. Für mehr Fairness und Gerechtigkeit!

Kontakt und Infos:

AK-Präsident Siegfried Pichler, Tel.: 0664 530 0 530

Djuja Becirevic, AK-Vorstandsmitglied, Tel.: 0664 39 900 51

Maga Cornelia Schmidjell, Leiterin der Abteilung für Sozialpolitik der AK, Tel.: 0662-8687-412

 

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Mirel Tomas

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